Ausfluss in der Schwangerschaft – Normal oder bedenklich?

Ausfluss in der Schwangerschaft - Normal oder bedenklich? Foto: KonstantinChristian / shutterstock.com
Ausfluss in der Schwangerschaft - Normal oder bedenklich? Foto: KonstantinChristian / shutterstock.com

In der Schwangerschaft lösen hormonelle Umstellungen eine Reihe von Veränderungen im Körper aus. Dazu gehört die morgendliche Übelkeit genauso wie Heißhunger, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und auch vermehrter vaginaler Ausfluss. Ist die Zunahme des Ausflusses in der Schwangerschaft ganz normal, kann er doch auch Anzeichen für eine Infektion sein, die vom Arzt medikamentös behandelt werden sollte.

Was ist vaginaler Ausfluss?

Vaginalen Ausfluss (auch Fluor vaginalis) kennt jede Frau. Er besteht aus Gebärmutterschleim sowie Schleimhautzellen der Vagina und ist ein Schutzschild des Körpers vor Krankheitserregern. Da er viele Milchsäurebakterien enthält, schafft er ein saures Scheidenmilieu, in dem Viren und Bakterien sich nur schwer vermehren können. Die Menge des Ausflusses ist von Frau zu Frau verschieden. Außerdem variiert die Stärke im Laufe des Zyklus. Durch die verschieden starke Ausschüttung des Hormons Östrogen nimmt der Ausfluss bei jedem Eisprung und vor der Periode zu. Aber auch andere Faktoren, wie Stress und sexuelle Erregung, nehmen Einfluss darauf. Normalerweise ist der Ausfluss durchsichtig oder weiß und geruchlos.

Kann vermehrter Ausfluss ein erstes Anzeichen von Schwangerschaft sein?

Schon vor dem Ausbleiben der Periode gibt es einige Hinweise darauf, dass eine Befruchtung stattgefunden hat. Heißhungerattacken, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Müdigkeit oder ein Ziehen in der Brust können Zeichen für eine frühe Schwangerschaft sein. Dazu gehört auch vermehrter Ausfluss. Allerdings heißt dies nicht, dass bei einer größeren Menge an Ausfluss unbedingt eine Schwangerschaft vorliegen muss. Gewissheit erlangen Sie nur durch einen Schwangerschaftstest oder einen Besuch beim Arzt.

Ist stärkerer Ausfluss in der Schwangerschaft normal?

Durch die hormonelle Umstellung wird der Vaginalbereich entspannter und besser durchblutet. Außerdem erhöht sich die Menge des Ausflusses. Dadurch reinigt der Körper die Gebärmutter und die Vagina von eventuell vorhandenen Krankheitserregern, um das neue Leben zu schützen. Solange der Ausfluss durchsichtig bis weiß und geruchlos ist, ist dies völlig normal. Es deutet sogar auf ein sehr gut funktionierendes Immunsystem hin, das seine Arbeit tut, um Infektionen vorzubeugen. Den stärkeren Ausfluss müssen Sie somit als Begleiterscheinung der Schwangerschaft in Kauf nehmen und stärkere Mengen eventuell mit einer Slipeinlage auffangen.

Wenn sich die Flour vaginalis jedoch verfärbt und unangenehm riecht, ist eine Infektion wahrscheinlich. Falls der Ausfluss eine andere Farbe annimmt, ist das ein Zeichen, dass die natürliche Scheidenflora gestört ist. Da Infektionen im schlimmsten Falle dem Baby schaden können, sollten Sie bei folgenden Anzeichen unbedingt Ihren Gynäkologen aufsuchen:

Gelber Ausfluss

Verfärbt sich der Ausfluss gelblich, könnte eine Scheidenentzündung die Ursache sein. Diese kann durch Bakterien, Chlamydien, Pilze oder Viren hervorgerufen werden. Die gelbe Farbe deutet auf eine gesteigerte Anzahl von Leukozyten hin, die der Körper produziert, um die Entzündung zu bekämpfen. Weitere Symptome sind Schmerzen beim Wasser lassen, Rötungen, Schwellungen und ein unangenehmer fischartiger Geruch des Ausflusses. Der ph-Wert in der Scheide steigt auf über 4,5. Ein gelber Ausfluss als Anzeichen für eine gestörte Scheidenflora kann jedoch auch durch andere Faktoren entstehen. Durch die Einnahme von Medikamenten kann das Scheidenmilieu ebenso aus dem Gleichgewicht geraten wie durch hormonelle Schwankungen, ein geschwächtes Immunsystem oder zu viel Intimhygiene. Gerade in der Schwangerschaft sollten Sie jedoch bei einem gelben Ausfluss vom Arzt abklären lassen, ob nicht doch eine Infektion vorliegt, bevor sie dem Baby schaden kann.

Bräunlicher Ausfluss

Ist der Ausfluss zu Beginn der Schwangerschaft bräunlich verfärbt, kann dies auch eine harmlose Ursache haben. Zwischen dem siebten und zwölften Tag nach der Befruchtung der Eizelle nistet diese sich in der Gebärmutterschleimhaut ein. Hier kann es zu leichten Einnistungsblutungen, den sogenannten Nidationsblutungen, kommen, die ungefähr jede fünfte Frau erlebt. Sie sind bräunlich und nach drei Tagen wieder vorbei.

Tritt der braune Ausfluss allerdings in einem späteren Stadium der Schwangerschaft auf und ist mit anderen Symptomen, wie Jucken oder Schmerzen, verbunden, sollten Sie dies unbedingt beim Frauenarzt vorstellen. Er ist dann keine Blutung, sondern ein Anzeichen dafür, dass das Milieu in der Scheide nicht seinem normalen Zustand entspricht. Die Farben können dabei von einem leichten Braun über eine rotbraune Färbung bis zu einem dunklen Braun, teilweise mit bröckeliger Konsistenz oder leichter Blutbeimengung variieren.

Ursachen sind Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren. Bei dunkelbrauner Farbe kann beispielsweise das Humane Papillomvirus (HPV) verantwortlich sein, das zu Gebärmutterhalskrebs führt. Bei Jucken, Schwellungen, Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr sowie einem unangenehmen Geruch des Ausflusses ist eine Pilz-Infektion wahrscheinlich. Zwar gibt es Medikamente gegen Scheidenpilz mittlerweile rezeptfrei in der Apotheke. In der Schwangerschaft sollten Sie bei diesen Symptomen trotzdem zur Sicherheit den Gynäkologen aufsuchen, um andere Krankheiten auszuschließen, die vielleicht schädlich für Ihr Baby sein könnten.

Grüner Ausfluss

Grünlicher Ausfluss deutet meist auf eine sexuell übertragbare Krankheit hin. Verfärbt sich Ihre Flour vaginalis grün, sollten Sie umgehend den Arzt aufsuchen. Die auslösende Krankheit kann sich auf die Harnröhre oder die inneren Geschlechtsorgane ausbreiten, zu Unfruchtbarkeit führen und gefährlich für Ihr Baby werden. Weitere Symptome können auch hier Jucken, Schmerzen beim Urinieren oder Geschlechtsverkehr und ein fischiger Geruch sein. Der Ausfluss kann dickflüssig, schaumig oder krümelig werden.

Eine mögliche Ursache ist die sexuell übertragbare Krankheit Gonorrhoe (auch als Tripper bekannt), die durch Gonokokken ausgelöst wird. Diese und andere Bakterien, die bakterielle Vaginose mit grünlichem Ausfluss entstehen lassen, müssen mit Antibiotika behandelt werden. Das kann als orale Tablette oder in Form von Vaginalcremes oder Vaginaltabletten geschehen. Bei einer harmloseren Pilzinfektion reicht ein rezeptfreies Medikament aus der Apotheke. Um sicher zu sein, welche Art von Infektion vorliegt, ist der Weg zum Gynäkologen jedoch unabdingbar. Wenn Sie sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt haben, ist es unbedingt nötig, auch den Partner untersuchen zu lassen, um eine gegenseitige Wiederansteckung zu vermeiden.

Blutiger Ausfluss

Kommt es zu Blutungen in der Schwangerschaft, ist eine Abklärung durch den Arzt immer ratsam. Ist in der Frühschwangerschaft die Blutung bräunlich verfärbt, kann es sich um eine Einnistungsblutung (s. bräunlicher Ausfluss) handeln, die völlig unbedenklich ist. Durch die Schwangerschaft wird die Scheide stärker durchblutet, weshalb es beim Geschlechtsverkehr zu ebenfalls harmlosen Schmierblutungen kommen kann.

Blutiger Ausfluss kann jedoch auch auf Hämatome in der Gebärmutter, in Verbindung mit Schmerzen auch auf eine Eileiterschwangerschaft oder sogar eine Fehlgeburt hindeuten. Deshalb sollten Sie, besonders bei stärkeren hellroten Blutungen, sofort den Arzt oder die Klinik aufsuchen. Zu einer Eileiterschwangerschaft kommt es, wenn sich das befruchtete Ei außerhalb der Gebärmutter im Bereich der Eileiter eingenistet hat. Dies kann zu ernsthaften Komplikationen, wie dem Zerreißen der Eileiterwand, führen und muss durch eine Fehlgeburt-Ausschabung behandelt werden.

Wie kann man Scheideninfektionen in der Schwangerschaft vorbeugen?

Durch die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft ist die Scheidenflora in dieser Zeit besonders gefährdet, aus dem Gleichgewicht zu geraten. Bakterien, Viren und Pilze können sich dann leichter vermehren und sich ausbreiten. Um Infektionen vorzubeugen, sollten Sie deshalb möglichst der natürlichen Schutzfunktion der Scheide nicht zusätzlich schaden. Vermeiden Sie zu viel Intimhygiene.

Reinigen Sie den Intimbereich nur mit Wasser, nicht mit Seifen oder parfümierten Duschgels. Diese beeinflussen den ph-Wert der Scheide. Auch Intimduschen, bei denen das Wasser direkt auf den Intimbereich fällt, sollten Sie in der Schwangerschaft weglassen. Bei der Wahl der Unterwäsche eignet sich Baumwolle wesentlich besser als synthetische Stoffe, da sie der Haut Luft zum Atmen lässt.

Das gilt genauso für Slipeinlagen, die ohne Folie aus Kunststoff gekauft werden sollten. Besteht eine Infektion, ist es wichtig, neben der Unterwäsche auch die Handtücher und Waschlappen, die mit der Genitalregion in Berührung gekommen sind, täglich zu wechseln und diese bei mindestens 60 Grad zu waschen. Nur so werden die Krankheitserreger abgetötet. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte sich Ihr Partner auch untersuchen lassen. Da die meisten Infektionen beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können, besteht die Gefahr der gegenseitigen Ansteckung.

Könnte der Ausfluss auch Fruchtwasser sein?

Auch wenn durchsichtiger Ausfluss eigentlich kein Grund zur Sorge ist, kann er trotzdem gerade am Ende der Schwangerschaft mit abgehendem Fruchtwasser verwechselt werden. Hat sich der Kopf des Babys noch nicht ins Becken gesenkt, geht bei einem Blasensprung das Fruchtwasser in einem Schwall ab. Anders kurz vor der Geburt, wenn das Baby den Ausgang mit seinem Kopf blockiert. Dann lässt es das Fruchtwasser nur noch in Tröpfchen vorbei.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob die Flüssigkeit, die Sie verlieren, wirklich Ausfluss ist, hilft zunächst ein Geruchstest. Fruchtwasser riecht süßlich, während Ausfluss geruchslos ist. Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie durch den vermehrten Druck des Babys auf Ihre Blase einfach etwas Urin verloren haben. Auch hier hilft der Geruchstest weiter. Wenn Sie danach immer noch unsicher sind, ist ein Besuch beim Arzt oder in der Klinik ratsam, um einen Blasensprung auszuschließen.

Kurz vor der Geburt kann sich der Ausfluss sogar noch einmal verstärken. Er geht dann meistens mit einer verdickten Konsistenz einher. Kurz vor den Wehen löst sich dann der Schleimpfropfen am Muttermund. Dieses „Zeichnen“ kann mit einer geringen Menge Blut verbunden sein.

Fazit

Ausfluss ist normalerweise eine Methode des Körpers, um Gebärmutter und Vagina von Krankheitserregern zu reinigen. Wenn er in der Schwangerschaft vermehrt in weiß-durchsichtiger Farbe auftritt, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Sollte er sich jedoch gelb, grün, bräunlich oder blutig verfärben und mit anderen Beschwerden, wie Jucken, Schmerzen oder Schwellungen einhergehen, ist es besser, einen Arzt aufzusuchen.

Am Ende der Schwangerschaft gilt es abzuwägen, ob der Ausfluss sich verstärkt hat oder durch einen Blasensprung Fruchtwasser abgeht. Ein Geruchstest kann dabei weiterhelfen. Aber auch hier ist es am besten, lieber einmal öfter zum Arzt oder in die Klinik zu fahren, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist.

 

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